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Donnerstag, 31. März 2016

Vacuum Tube Valley zum freien Download

Zum Kultmagazin Vacuum Tube Valley muss man keine weiteren Worte verlieren. Ich hatte hier bereits über Issue 12 berichtet und musste beim Auftreiben dieser Ausgabe feststellen, wie schwierig (und teuer) es ist, das Magazin überhaupt irgendwo zu bekommen...

Seit geraumer Zeit gibt es erfreulicherweise alle 20 Ausgaben zum freien - und legalen! - Download, nämlich HIER. Also schnell herunterladen, wer weiß, wie lange das noch möglich ist.

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Rega RP1 Tweaks

Über einige Besonderheiten des Rega RP1 - oder besser: Eigenarten - hatte ich hier kürzlich berichtet. Die Verwendung der Korkmatte statt der Filzauflage ist für mich ein irreversibler Schritt, denn diese bringt eine deutlich bessere Auflösung. Allerdings ist die Korkmatte dicker als die Filzauflage, so dass sich der Arm während des Abtastens nun nicht mehr in völlig waagerechter Lage befand, sondern (übertrieben gesagt) eher wie Usain Bolts Arm beim Feiern eines weiteren Sieges in einem 100m-Finale gen Himmel ragte... Eine direkte Höhenverstellung des Arms ist nicht möglich, außer mit so genannten "Spacern", also kleinen Distanzplättchen, die unter den zu lösenden Lagerbock geschoben und mit verschraubt werden. Diese gibt es z.B. als Set in den Stärken 0,5 mm, 1,0 mm und 2,0 mm bei PhonoPhono in Berlin für ca. 30 Euro. Die Schrauben müssen nicht komplett entfernt werden, da die Spacer geteilt sind und so zwischen die Schrauben unter den Lagerbock geschoben werden können. Da die Plättchen kombinierbar sind, ist so eine zusätzliche Höhe bis zu 3,5 mm möglich. Im Falle der Korkmatte war das 1,0 mm Plättchen ideal.


Distanzplättchen in 1,0 mm Stärke (roter Pfeil)


Perfekt waagerechter Arm

Was ich ebenfalls ausprobiert habe ist der "weiße Riemen" von Rega, den es in der Bucht bei englischen Anbietern als Originalware sogar für unter 30 Euro gibt. Der soll gegenüber der mit dem Dreher ausgelieferten schwarzen Variante durch bessere Fertigungsqualität für mehr Ruhe und besseren Gleichlauf sorgen. Ich war zugegeben ursprünglich skeptisch, musste aber feststellen, dass der Plattenteller nun tatsächlich etwas ruhiger und gleichmäßiger läuft. Welten sind es aber nicht, die zwischen dem schwarzen und dem weißen Riemen liegen.


Der schwarze wird durch einen weißen Riemen ersetzt

Unter dem Strich ist es schon erstaunlich, auf welches Qualitätsniveau sich ein einfaches (Einsteiger-)Brett wie der Rega RP1 durch einige kleine Tweaks hieven lässt. Ich bleibe dabei: Für einen merklichen und damit lohnenden Qualitätssprung muss man schon einen knapp vierstelligen Betrag für Dreher, Arm und Tonabnehmer investieren.

Mittwoch, 25. November 2015

Seas Exotic F8 X1-08

Mittlerweile ist der Seas Exotic F8 Vollbereichsbreitbänder ja schon so etwas wie ein moderner Klassiker geworden. ALNICO-Magnet, klassischer 8-Inch-Treiber, Papierkonus mit Papyrusfasern sowie kleinem HT-Schwirrkonus, Freiluftresonanz 32 Hz, Impedanz von 8 Ohm, Qts von 0,44 und ein relativ ausgewogener Frequenzgang ohne Sauereien. Und anständigem Wirkungsgrad. Breitbandherz was willst du mehr!

Leider (natürlich!) braucht dieser "Zwanziger" sehr lange, bis er so richtig eingespielt ist. Sehr, sehr lange sogar, überschlägig ca. 500 Betriebsstunden, bis sich nichts mehr ändert. Zum Einspielen habe ich wieder einmal den Breezer-Gehäuseentwurf der K+T bemüht und dieses Mal exakt die Originalmaße verwendet sowie 15 mm Birke MPX. Das Chassis habe ich aus Faulheit nicht einmal eingesenkt. Selbst das "Finish" steht bis heute aus, ich war einfach zu neugierig und habe die Treiber gleich reingeschraubt. Die Büchse(n) OSMO Dekorwachs sind also immer noch verschlossen. Eine Entzerrung gibt es natürlich auch nicht, allein der Gedanke daran ist frevelhaft...

Da die Einspielphase seit geraumer Zeit vorüber ist, erwächst so langsam der Gedanke eines für diesen Treiber optimalen Gehäuseentwurfs. Der dank AJHorn auch schon längst "in der Schublade liegt". Mich hat es schon erstaunt, wo manch einer dieses Treiberjuwel so reinschraubt: in geschlossene Gehäuse, in Hörnchen... au Backe!

Natürlich interessiert mich brennend, wie der Exotic in "meinem" Gehäuse performt. Aber ich komme einfach nicht weg vom Hörplatz! Zu zufrieden lässt sich so hören, so dass Säge, Hobel, Zwinge, Holzleim & Co. zunächst weiterhin ein arbeitsfreies Dasein fristen. Wird schon, irgendwann...

Kurzum: Der Seas Exotic F8 ist aus meiner Sicht der beste am Markt verfügbare Breitbänder überhaupt. Und zwar, weil er ohne gravierende Schwächen daherkommt und den bestmöglichen Kompromiss bietet. Er stellt dank seiner Hochtonglanzlichter z.B. die diesbezüglich doch etwas limitierten PHY-HP Breitbänder in den Schatten. Andererseits schwächelt er im Bass nicht so sehr wie z.B. Treiber von Lowther oder Voxativ, die i.d.R. auf eine Hornkonstruktion angewiesen sind und zudem aufgrund ihrer Unausgewogenheit doch eine (kleine) Entzerrung benötigen.

Wie auch immer - letztlich natürlich alles eine Frage des persönlichen Geschmacks. Die Seas Exotic BB lassen sich übrigens selbst mit einer 2 Watt-Triode ansteuern, ohne dass man etwas vermissen würde. Gut, brachiale Dynamik ist so nicht möglich - dafür braucht es dann brutale "20+" Watt aus einer EL34 in Push-Pull-Anordung und (Pseudo-)Triodenschaltung:








Mittwoch, 7. Oktober 2015

Motorgeräusche beim Rega RP1

Über den Rega RP1 an sich gibt es eine Menge Tests und Berichte, selbst ich habe hier kürzlich einen kleinen Beitrag geleistet. Im Folgenden soll es allerdings nicht um den Dreher und seine Qualitäten gehen, sondern um eine seiner klitzekleinen englischen Schrulligkeiten, nämlich um seine Motorgeräusche. Auch hierüber finden sich viele "Hilferufe" im Netz, insbesondere in diversen Foren. Ich sehe hier die potenzielle Gefahr des Sich-Abwendens etwaig zunächst enttäuschter RP1-Käufer, insbesondere bei unerfahreneren Einsteigern. Sie würden es gleichwohl bereuen…


Rega RP1 mit Ortofon 2M Blue und Korkmatte

Auch mein RP1 gab direkt nach seiner Inbetriebnahme stark wahrnehmbare Whop-whop-whop-whop Geräusche von sich, welche sich als Motorgeräusche entpuppten, so etwa vier Mal pro Sekunde. Dies entspricht der Drehzahl des Premotec-Motors von 250 Umdrehungen pro Minute. Die Schleifgeräusche mischten sich nicht nur ins Musiksignal und wurden mir von den Lautsprechern brutal um die Ohren gehauen, sondern waren auch direkt vom Plattenspieler am Sitzplatz in ca. drei Metern Entfernung zu hören. Nerv tötend!

Am nächsten Tag, ca. 20 Stunden später, war der Motor schon merklich ruhiger, allerdings immer noch nicht akzeptabel leise. Dass das Einbetten eines Motor-Rotors in seine Achslager so lange dauert, hatte ich auch noch nicht erlebt. Nach zwei Tagen Dauerbetrieb schließlich wurde der Motor langsam schon richtig „zahm“. Trotzdem TAD-Vertrieb angerufen, Phänomen bestätigen lassen, ´Nein, der Motor ist nicht kaputt!´, Tipp bekommen: Ich solle dem Motor ca. eine Woche (!) gönnen und wenn ich ungeduldig sei, solle ich mit einem Q-Tip den (einlaufbedingten) Schmierfilm am Motorgehäuse an der Motorachse entfernen und einen Tropfen gutes Maschinenöl „spendieren“ – wer also noch Restbestände seiner alten Märklin-Lokomotiven sein Eigen nennt… Nach einem möglichen Garantieverfall nach Öffnen des Gehäuses und Durchführung der Maßnahme habe ich natürlich nicht gefragt, sondern gleich losgelegt.


Durch Entfernen des Deckels wird der Premotec Motor freigelegt


Säubern und Gabe eines Tropfens Maschinenöl

Das wirkte auch tatsächlich Wunder und beschleunigte den Einlaufprozess erheblich. Nach einer Woche "Dauerlauf" des Plattentellers war dann auch tatsächlich ein akzeptables Geräuschniveau erreicht… Ein entsprechender Hinweis in der Bedienungsanleitung hinsichtlich der wirklich ungewöhnlich langen Einspielzeit des Motors fehlt und würde sicher zur Beruhigung des einen oder anderen Neubesitzers beitragen.

Samstag, 12. September 2015

Tsakiridis Aeolos - immer diese bösen Push-Pull Amps

Die Gebrüder Tsakiridis, von je her feste Größe des berühmt-berüchtigten Athener High-End Zirkels, haben ja nun bereits seit langer Zeit den Bau ihrer Röhrenverstärker professionalisiert. Ursprünglich nur für Freunde und Bekannte gebaut, erfreuten sich die Geräte alsbald großer Beliebtheit und Anerkennung; es hatte also den Anschein, als könnten ihre Kisten tatsächlich was taugen und so war der Weg an den Markt nur folgerichtig.

Allerdings haben mich die Geräte von Tsakiridis bislang nie sonderlich interessiert. Mit Achilles befindet sich zwar ein Monoblock im Portfolio, der den Betrieb sowohl einer 300B als auch einer 2A3 erlaubt. Wer seine Vor- und Vollverstärker allerdings mit einer Fernbedienung ausstattet, weckt erst einmal mein Misstrauen. Zumal mit einer solchen Fernbedienung: Ein billiges, programmierbares Standardplastikteil mit gefühlt 100 Knöpfen. Ich habe mir gar nicht erst die Mühe gemacht, sie überhaupt aus ihrer Verpackung zu nehmen, sondern die Fernbedienung gleich im Karton gelassen. Braucht kein Mensch, finde ich jedenfalls, schon gar nicht bei einem Röhrenverstärker. Zumal ich zu Fernbedienungen ohnehin eine spezielle Meinung habe.



Offenes Chassis mit 4 x 12AT7WC (ECC81) und 4 x EL34 (6CA7)


Für den Transport ok, aber aus optischen Gründen gehört die Haube ab

Darüber hinaus dominiert platinengestützter Aufbau gegenüber Freiverdrahtung, hm... Andererseits: Tsakiridis verwendet schön schlichte, dynamisch-graue Industriegehäuse, erfreulich weit entfernt vom Chrom-Bling-Bling vieler anderer Hersteller, die sich damit bei Kunden wie Peter Protz & Co. so erbärmlich anbiedern. Außerdem sitzt der vernünftig groß dimensionierte Netzschalter auf der Frontplatte - dort, wo er hingehört. Nix da mit dieser Unart, ihn umständlich zugänglich auf der Geräterückseite anzubringen, um das vermeintlich harmonische Design der ach so schönen Front bloß nicht zu verunstalten... Und der Schalter macht nicht klick, sondern KLACK. Gefällt mir!

Ach so, bevor ich es vergesse: Es geht ja eigentlich um den Vollverstärker Tsakiridis Aeolos mit vier EL34 Pentoden in Push-Pull Anordnung. Pentoden in Push-Pull, und das mir, man stelle sich das einmal vor! Alles andere als Kleinleistungstrioden im Eintaktbetrieb sind doch ohnehin böses Hexenwerk... so die Meinung eingefleischter Freaks. Ich habe diesen Verstärker trotzdem gekauft, und zwar tatsächlich für mich selbst (Kostenpunkt 1.500 €; auch erhältlich mit 6550 Pentoden als Aeolos 'Plus' für 1.750 € und geringfügig mehr Ausgangsleistung). Ich brauchte ein robustes Arbeitsgerät, an dem ich häufig diverse Lautsprecher hin- und herstöpseln kann, ohne mir bei den vielen Ein- und Ausschaltvorgängen Gedanken über den Röhrenverschleiß machen zu müssen. So was macht ja keiner mit seinen Eintakt-Trioden.

Technisch gesehen verfügt der Aeolos über einige interessante Merkmale. Mithilfe kleiner Kippschalter lässt sich zwischen Pentoden- und Pseudotriodenbetrieb hin- und herschalten; Pentoden im Triodenbetrieb sind mir von jeher sympathisch, denn klanglich stimmt bei anständiger Auslegung, was "hinten rauskommt". Dass sich dabei die Ausgangsleistung von 35 auf 20 Watt reduziert, nehme ich wohlwollend zur Kenntnis, denn bei Verstärkerleistungen im zweistelligen Wattbereich fängt für Hochwirkungsgradlautsprecher ohnehin so langsam der leistungsmäßige Overkill an. Zwei weitere Kippschalter erlauben die Wahl zwischen zwei Gegenkopplungsstufen (6 dB und 9 dB), ganz abschalten lässt sie sich (leider) nicht. Sei´s drum, hier herrscht also schon mal eine große Flexibilität bei den Betriebsarten, was für das Testen von Lautsprechern ungemein hilfreich ist.




Schöne Verpackung: Der Aeolos wird in einer Samthülle geliefert


Schöner Rücken: Praxisgerechte Anschlüsse, hier mit Kurzschluss-/Staubschutzsteckern

Eingangsseitig werden vier Möglichkeiten zur Verbandelung mit Hochpegelquellen geboten. Das sind drei mehr als ich für den Anschluss meiner Phonostufe benötige, also werden diese sogleich mit Kurzschlusssteckern versehen, um gar nicht erst den Verdacht einer möglichen Antennenwirkung aufkeimen zu lassen. Auf die Tape Out Buchsen kommen natürlich nur Staubschutzkappen. Beim Lautstärkepoti handelt es sich um ein anständiges Alps-Teil und trotz Motor stimmt die Haptik beim sahnig drehenden Regler, das fühlt sich in etwa so an wie bei alten Luxman Verstärkern, deren Potis zwar immer schön leichtgängig, aber dennoch sehr präzise waren.

Lautsprecherseitig ist der Aeolos hingegen weniger flexibel: Es gibt lediglich einen 6 Ohm-Abgriff, was als sinnvoller Kompromiss für den breiten Massenmarkt gesehen werden darf (die Zielgruppe für diesen Amp wird wohl tatsächlich vorwiegend "4-Öhmer" dranhängen...). Hier hätte ich mir 8 und 16 Ohm gewünscht, aber hey - für diesen Kurs (=Preis) muss man hier und da halt Abstriche machen. Das geht schon in Ordnung. Freude kommt dagegen bei den sehr präzisen Zeigerinstrumenten auf, die ein komfortables Kontrollieren der Ruheströme erlauben - Tube Rolling (fast) leicht gemacht, denn ganz ohne Multimeter geht es trotzdem nicht und die Anzeige bezieht sich auf jeweils beide Röhren pro Kanal.




Die Fernbedienung bleibt verpackt...

Apropos Tube Rolling: Zum Testen können die mitgelieferten China-Röhren (12AT7) bzw. die russischen 6CA7 von Electro-Harmonix natürlich zunächst verwendet werden, allerdings sind sie nicht der Weisheit letzter Schluss. Um den Qualitäten des Gerätes gerecht zu werden, gehören hier schöne NOS-Teile rein. Wobei preislich schnell eine Schieflage mit Blick auf den Gerätepreis droht: Mittlerweile werden für ein gematchtes NOS-Quad EL34 deutlich über 500 € fällig; für Mullards aus den 1960ern wird´s bereits vierstellig... Hier gilt es, einen sinnvollen Kompromiss zu finden, der m.E. in Form alter DDR-Röhren von RFT besteht. RFT hat früher auch für Siemens, Telefunken & Co. produziert und qualitativ sind die Teile sehr gut. Ein gematches Quad gibt es z.B. bei TAD für ca. 400 €. Bei den vier 12AT7 (ECC81) Doppeltrioden der Eingangs- und der Phasensplitterstufe bieten sich beispielsweise JAN Philips NOS-Teile an. Hier sollte man auch auf das interne System-Matching der einzelnen Doppeltrioden achten. Kostenpunkt für das Quartett ca. 80 €, z.B. bei Tube Town.

Und wie klingt der Aeolos? Ich mache es kurz und knapp und beziehe mich dabei auf die Trioden-Betriebsart und die geringere Gegenkopplungsstufe. Der Amp klingt griffig, mit "ordentlich Fleisch" obenrum und schönem Punch im Keller. Subjektiv kommen die meisten Trioden-Eintakter in ihrer Bandbreite da im Vergleich kaum mit, was ja auch nicht weiter verwunderlich ist. Tolle Raumdarstellung, kernig, zackig, straight forward. Hier geht es tendenziell sachlicher und neutraler zu und es findet viel weniger Glanz und Gloria um das einzelne Tönchen statt, wo beispielsweise eine 45er SET im Vergleich einen goldenen Seidenfaden um jede Note spinnt und sie mit einer Extraportion Energie in den Hörraum schubst. Summa summarum also nicht so euphonisch wie die meisten Eintakter, dafür mit mehr Biss und mehr Headroom. Jedenfalls war (und ist) es für mich eine erfrischende Erfahrung, die eine oder andere Eigenart heiß geliebter Eintakter einmal mit einem anderen Vergleichsnormal kritisch hinterfragen und sich hier und da wieder etwas "erden" zu können. Unter dem Strich ist der Aeolos der beste mir bekannte Verstärker seiner Preisklasse. Ich habe dieses kleine Kerlchen jedenfalls sofort ins Herz geschlossen!



Dienstag, 3. Februar 2015

Jean Hiraga

Wer sich näher mit der Geschichte der High Fidelity beschäftigt und hier insbesondere mit dem in Deutschland ca. Mitte der 1980er-Jahre einsetzenden Revival der Triodenverstärker, der stolpert früher oder später unweigerlich über den Namen Jean Hiraga. Mastermind und treibende Kraft hinter dem französischen Kultmagazin L´Audiophile, Wandler zwischen den Welten als Redakteur und Publizist einerseits und Entwickler bzw. Konstrukteur von Röhrenverstärkern und Hochwirkungsgradlautsprechern unterschiedlichster Couleur andererseits. Ein high-fideler Tausendsassa sozusagen. Und: Es ist mehr als fraglich, ob die heutige Röhrenszene in Europa ohne ihn die wäre, die sie heute ist. 


Von links: K. Anzai, M. Gorst (techn.-kommerz. Direktor der GEC), Jean Hiraga (1973)
Bildquelle: Initiation aux Ampli a Tubes, S. 46 (Autor: Jean Hiraga)

Bei der Web-Recherche über Jean Hiraga stößt man auf viele Quellen. Etliche seiner in der L´Audiophile erschienenen Artikel finden sich z.B. als deutsche Übersetzung auf der Auditorium 23-Website. Und ein wahres Eldorado vieler Inhalte (der meisten!) aus der L´Audiophile findet man hier und hier. Ob das unter Copyright-Gesichtspunkten alles so seine Ordnung hat, wage ich zu bezweifeln, aber mich persönlich stört es freilich nicht...

Will man Jean Hiraga und seinen Ansatz bzw. sein Verständnis von Musikwiedergabe allerdings wirklich nachvollziehen, so sind seine Bücher einfach Pflicht. Nur leider sind diese völlig vergriffen. Amazon, ebay & Co. - nichts. Ein an einige Kontakte entsandter "Hilferuf" war schließlich von Erfolg gekrönt und ich bekam kürzlich ein Paket mit leihweise überlassenen Büchern, dessen Besitzer einer der kompetentesten Köpfe der Branche überhaupt ist (an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank dafür!). Eigentlich suchte ich ja nur dieses Buch:


Initiation aux Ampli a Tubes, Jean Hiraga (1986)

Gleichwohl steckten dann erfreulicherweise noch diese drei Überraschungen mit im Paket:
   

Neben den beiden Sammlungen von Beiträgen und Artikeln (Selection de L´Audiophile) weckte insbesondere das Buch über Lautsprecher (Les Haut-Parleurs) mein Interesse, doch dazu später mehr. Der Zustand der Bücher darf zum Teil durchaus als bearbeitet bezeichnet werden, wofür der Besitzer sich gleichsam - völlig unnötigerweise - ein wenig entschuldigte. Sind Bücher in diesem Zustand doch Zeugnis eines Prozesses intensiver "Verinnerlichung"... (Fürderhin wurde ich gewarnt, nicht alle Schaltungen würden genau so wie abgebildet funktionieren!)

Der äußere Zustand war mir ja ohnehin völlig "wurscht", vielmehr beschäftigte mich der Umstand, dass alles auf Französisch war... Also galt es, das alte Schulfranzösisch wiederzubeleben und nach einer gewissen Eingewöhnung (und mithilfe des Online-Wörterbuchs) war diese Hürde bald genommen.

Für die Altvorderen der Szene womöglich ein alter Hut, für mich durchaus interessant: Bereits 1972/1973 - zu einer Zeit, als ich in der Sandkiste munter Backförmchen bearbeitete - führte Monsieur Hiraga (u.a. zusammen mit K. Anzai) bereits Trioden-Shootouts z.B. mithilfe von Altecs Voice of the Thaeter durch (D100, DA30, 6B4G, PX4, AD1, 2A3, 211, 300B, 801A, KT88,...):


Bildquelle: Initiation aux Ampli a Tubes, S. 101

Natürlich wird auch der Produktionsprozess von Röhren näher beschrieben und dokumentiert. So sah das 1973 während eines Besuchs bei GEC aus:


Montage...
  

...Kolbensetzen und Evakuierung...
   

...finaler Test...
  
  
...und 200 h-Alterung - alles Frauensache!
Bildquellen: Initiation aux Ampli a Tubes, S. 47-50
  
Außer Hintergründen zu Details der Röhrenproduktion gibt Hiraga auch konkrete Empfehlungen bzw. eine Übersicht, welche Übertrager sich für welche SET eignen:
 
 
Bildquelle: Initiation aux Ampli a Tubes, S. 97
 
Aber wie bereits erwähnt hat mich Hiragas Buch "Les Haut-Parleur" noch viel mehr fasziniert. Kaum ein in den letzten Jahren erschienenes Lautsprecherbuch kann es in Sachen Umfang, Detailtiefe und Substanz mit diesem "alten Schmöker" aufnehmen. Hier werden wirklich viele (zwar wohlbekannte) Grundlagen und Basics zu Hörnern, Open Baffle und akustischem Kurzschluss, Transmissionlines, Onken-Gehäuse, Bassreflex usw. behandelt, aber auf eine sehr inspirierende Weise, die hier und da neue Denkanstöße gibt.




 
Bildquellen: Les Haut-Parleur, Jean Hiraga, S. 177-179, 126/127, 230 (von oben)
  
Ich glaube, jetzt werde ich die Inhalte dieses Buchs verinnerlichen. Vor dem Zurücksenden an seinen Besitzer muss ich es nur noch kopieren bzw. Seite für Seite einscannen. Zum Glück können elektronische Scans nicht so schnell zerfleddern wie Papier...